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Tierschutz aktiv: Wildtierrettung
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» W I L D E « T I E R K I N D E R
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Ganz besondere Freundschaften zwischen Tierkindern und Menschenkindern, Reh und Hund, Fuchs und Kaninchen
Von Regina Krautwurst
Ich ziehe seit mehr als 25 Jahren verletzte und verwaiste Wildtiere auf. Dabei hatte ich in den zurückliegenden Jahren jede Menge kleiner Helfer: Meine eigenen Kinder, deren Freunde und Freundesfreunde waren immer mit Feuereifer bei der Sache. So gründete ich das Projekt KITINA (KI=Kinder, TI=Tiere, NA=Natur), in das ich Kinder aller Altersgruppen und ganze Schulkassen einbinde: Gehege-Bauen, Nisthöhlen-Basteln, Jungtiere-Füttern, Käfige-Reinigen und nicht zuletzt das Auswildern in dem geeigneten Lebensraum der jeweiligen Art.
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T I E R E U N D K I N D E R
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Tiere haben eine magische Anziehungskraft auf Kinder, Kinder stellen Fragen, Kinder wollen Antworten, Kinder wollen beteiligt werden. Gibt es eine schönere Art, Wissen zu erlangen, Tiere und ihr Verhalten verstehen zu lernen, als durch das eigene Er- leben mitten in der Natur, umgeben von Tieren und Pflanzen? Es gibt den Kindern das Gefühl: Ich helfe einem schwächeren Geschöpf, ich tue etwas für unsere Natur.
Auch für mich ergibt sich durch die Arbeit mit den Tieren ein ständiger Lernprozess, der auch mich täglich aufs Neue fasziniert. Ich lerne von den Tieren so viel - das können alle Bücher der Welt mir niemals vermitteln. Nichts desto trotz lese ich Unmengen an Fachliteratur. Doch am schönsten für mich ist jedoch das, was ich von den Tieren lernen darf. Längst bin ich für unser Ordnungsamt und alle Tierärzte unentbehrlich geworden, da sich sonst keiner in unserer Region der Wildtiere annimmt. Besonders hervorheben möchte ich den unermüdlichen Einsatz der Tierarztpraxis Dr. Schmidt/Dr. Alexi aus Werl.
Ich weiß nicht, woran es letztendlich liegt, dass bei mir häufig die Ausnahmen landen, die allen üblichen Regeln und Vorstellungen widersprechen. Und glauben Sie mir, ich habe schon tausende Wildtiere zurück in die Freiheit entlassen - und doch gibt es einige faszinierende Erlebnisse, von denen ich Ihnen nun berichten möchte: Ricke Bambi
Bambi kam, wie so viele Kitze, zu uns als Waisenkind. Sie war jedoch vom ersten Tag an anders als ihre Vorgänger. Sie wurde zutraulicher als alle anderen, und sie besaß einen Charme, der jeden bezauberte. Dennoch zog ich sie ganz normal auf, auch sie sollte später wieder in Freiheit leben dürfen - dort nämlich gehören Wildtiere hin, und nicht eingesperrt in ein Gehege.
Um Bambi an das Leben in Freiheit zu gewöhnen, gingen wir mit ihr spazieren - natürlich nur in rehtauglichen Gebieten (Landschaftsschutzbereiche etc.). Sie lief unaufgefordert besser bei Fuß als jeder Hund. Ich zeigte ihr, wo die leckersten Kräuter und Büsche wachsen, wo sie auch im Winter Wasserquellen finden kann und Versteckmöglichkeiten - eben alles, was ein junges Reh so wissen muss. Bambi verhielt sich auch wie ein normales Reh: Wenn sie irgendetwas Bedrohliches sah, verschwand sie blitzschnell und suchte perfekte Deckung. Doch war die Gefahr fort, war sie genauso blitzschnell wieder neben mir.
Im Frühjahr letzten Jahres blieb Bambi dann fort von unseren Weiden. Ich sah sie jedoch regelmäßig auf Distanz, und zwar immer in Begleitung eines jungen Rehbocks. Bambi durchlebte einen völlig normalen Schmalrehsommer der Verliebtheit. Wir bekommen wie jedes Jahr wieder neue Kitze zur Aufzucht, und trotzdem: Bambi war etwas ganz Besonderes - sie war eben anders. Im Juni kam sie uns einmal für einen Tag besuchen. Wie selbstverständlich kam sie auf unsere Weiden, begrüßte den Kater Zombie, unsere Heidschnucken und unsere Ponys, zog dann jedoch wieder von dannen.
Der Sommer ging vorbei, und mit dem Sommer verging auch Bambis Verliebtheit, denn Mitte September kam Bambi zurück auf unsere Weiden, als sei sie niemals fort gewesen. Sie differenzierte jedoch ganz genau: Anfassen ließ sie sich nur von mir und meiner sechsjährigen Tochter. Sie floh vor jedem Hund, nur nicht vor unserer Schäferhündin Lucy - mit ihr spielte sie, und gegenseitiges Putzen war Tagesprogramm. Gingen wir in Wald und Feld spazieren, war Bambi unsere ständige Begleiterin. Sie kletterte auf Baumstämme und tobte mit unserer Hündin in Bachläufen rum wie ein junges Kitz. Fuhr ich abends nach Hause, ging Bambi ihren eigenen Weg und sprang in den Feldern und Wäldern der Umgebung herum wie ein ganz normales Reh.
Das alles hört sich unglaublich an, aber schauen Sie sich die Fotos an, die dies belegen!
Inzwischen ist Bambi leider an einer Infektionskrankheit gestorben.
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L I S H K A U N D L I S A R , D I E F U C H S W E L P E N
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In diesem Jahr kamen dann noch zwei Fuchswelpen in meine Obhut, Lishka und Lisar. Lishka hatte noch nicht einmal die Augen geöffnet, als er zu mir kam, er war also weniger als zehn Tage alt. Lisar war etwa drei Wochen alt, als er zu mir gebracht wurde.
Lishka entwickelte sich völlig normal, er war von Anfang an ganz schön »fuchsig«, bereitete uns aber durch sein schalkhaftes Wesen auch sehr viel Freude. Er war ein recht frühreifer Fuchs - und er war so sehr Fuchs, dass wir ihn schon im Alter von 4 oder 5 Monaten in die Freiheit entließen. Durch diese beiden Fuchswelpen lernte ich Marc Buchtmann von »WIR FÜCHSE« kennen, der mir oft und sehr fachkundig mit Rat und Tat zur Seite stand. Er hat uns mittlerweile mehrfach besucht, und auch er ist ganz fasziniert von Lisar, Bambi und ihren Freunden.
Der zweite Fuchs, Lisar, war irgendwie anders... Warum solche Tiere stets bei mir landen? - Ich weiß es nicht. Lisar ist einerseits zwar Fuchs, andererseits aber eine Schmusekatze. Er ist mittlerweile neun Monate alt und hat in seinem Leben nicht einmal lebende Beute gefressen. Denn alles, was irgendwie lebt, ist nicht zum Essen, sondern zum Schmusen da... selbst mit Mäusen schmust Lisar! Macht das Mäuschen »piep«, versteckt sich unser heldenhafter Fuchs und lässt sich mindestens 30 Minuten lang nicht mehr blicken. Lisar hat Angst vor Hühnern, auch vor Zwerghühnern! Er wohnt bei uns zu Hause und liebt nichts mehr, als mit unseren Katzen und Hündin Lucy durch das Haus zu toben. Er geht an der Leine jeden Tag mehrmals ausgiebig mit uns Gassi und beißt NIEMALS! Und seine Lieblingsbeschäftigung ist Schmusen mit Menschen, mit Kindern und allem, was Fell oder Federn hat und nicht fuchsgefährlich ist. Lisar putzt sogar unsere Zwergkaninchen.
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S C H L E I E R E U L E H A R D Y
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Hardy kam als tennisballgroßes Küken zu mir, wurde erfolgreich aufgezogen und ausgewildert. Er lebte einige Wochen auf dem Heuboden unseres Pferde-Offenstalls, in dem eigens für ihn Einfluglöcher erstellt wurden.
Nach drei Wochen war Hardy verschwunden, was für Schleiereulen recht untypisch ist, denn sie leben jahrelang sehr revierbezogen, führen meist Einehen, und auch da bleiben sie ihrem Revier meist treu. Mir war fast klar, dass dem armen Kerl irgend etwas zugestoßen sein musste. Mein Verdacht bestätigte sich nach etwa 14 Tagen: Da saß Hardy, runtergemagert auf 140 g (normales Gewicht bei Schleiereulen ca. 350 Gramm), mit hängendem dreifach gebrochenem Flügel bei uns im Hühnerstall. Man muss sich das mal vorstellen: Eine Eule, die sich normal abgenabelt hatte, menschenscheu war, wie sie es zum freien Leben auch sein muss, mit einem Flugradius von 30 Kilometer kommt zu Fuß(!) zurück...
Nochmals habe ich ihm dann das Leben gerettet. Alle Tierärzte prophezeiten mir, dass ich den Vogel niemals durchbringen könnte - und doch habe ich es geschafft.
Durch die Brüche kann Hardy zwar noch fliegen - doch den Sturzflug zum Beutegreifen kann er nicht mehr ausführen, ohne dabei eine Bauchlandung hinzulegen... somit würde er in Freiheit verhungern. Mit mehreren fachtierärztlichen Gutachten erhielt ich dann durchs Kreisveterinäramt die Genehmigung zur Haltung der Eule, die nun in einem riesigen Freigehege lebt und am liebsten schwarzbesockte Kinderfüße oder Tennisbälle jagt. Socken werden langgezogen oder angeknabbert... niemals beißt Hardy, er lässt sich gern streicheln und sein weiches Kopfgefieder kraulen.
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K I T Z L E I L A
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Derzeit haben wir noch ein Kitz vom Frühjahr bei uns. Dieses Kitz ist zwar sehr scheu, aber auch sie, Leila, hat eine faszinierende Geschichte:
Einige Wochen, nachdem Leila zu uns gekommen war, brachte man mir eine schwer verunfallte kanadische Wildgans. Aufgrund der Schwere ihrer Verletzungen musste der Gans ein Flügel amputiert werden, somit ist sie flugunfähig. Nach ihrer Genesung wollte ich die Gans, die wir Branta nannten, mit unseren fünf anderen Gänsen vergesellschaften. Dies schlug jedoch fehl, denn Branta und das Rehkitz Leila, beide ziemlich scheu und ängstlich, hatten Freundschaft geschlossen und sind beinahe unzertrennlich... Wo die Gans war, war das Kitz und umgekehrt. Trennte ich die beiden, schrien sie sich die Seelen aus dem Hals und verweigerten das Futter.
Inzwischen wurde Leila ausgewildert. Und die Wildgans Branta hat sich nach einiger Zeit den Hausgänsen angeschlossen.
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I N F O R M A T I O N :
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Krautwurst Regina Annahmestelle für verletzte oder verwaiste Wildtiere Siederstrasse 14a 59457 Werl Telefon: (0 29 22) 46 70, Mobil: 0160 - 1 56 97 23 E-Mail: kitina@versanet.de
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