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Leserbriefe

Dunkelpunkte aufgezeigt
Von Bekannten erhielt ich das neueste Heft »Freiheit für Tiere«. Es gefällt mir ausgesprochen gut, wie Sie die Dunkelpunkte unseres Verhältnisses zu unseren Tiergeschwistern aufzeigen. Gut auch, dass Sie geistige Hintergründe eines anderen Verständnisses für Tiere hereinnehmen. Besonders wichtig finde ich die Auseinandersetzung mit der Sorglosigkeit, ja Tierfeindlichkeit der Kirche(n) im Interview mit Herrn Strehlow (Heft 1/03).
Das Thema »Jagd« kann nicht oft genug dargestellt werden. Schade nur, dass diese Gedanken wohl nicht oft an diejenigen kommen, die es betrifft. Das Thema »Schlachthof« ist ein Dauerbrenner. Für meine Begriffe sind die dabei gezeigten Bilder schwer- bis unerträglich. Es ist gut, dass Noch-Fleischesser so etwas sehen. Wer dann noch weiterisst... Aber den langjährigen Tierfreund und Vegetarier schockieren und belasten sie derart, dass es Probleme beim Nachtschlaf gibt. Zutiefst deprimierend, dass es (immer noch) Menschen gibt, die so etwas tun (können).
Wilfried Lohr, Augsburg

Nicht gleichgültig werden
Nach jahrzehntelangem Fleischgenuss wurde ich vor 5 Jahren Vegetarierin. Beim Überfliegen des Interviews mit dem Kopfschlächter (Freiheit für Tiere 4/2003) dachte ich sofort an einen mir bekannten Metzger und einen Metzgerlehrling. Dann fragte ich mich wieder einmal: »Sind das jetzt die Bösen?«
Der Metzger, den ich kenne, hat vermutlich den Betrieb des Vaters übernommen, als es das heutige Akkordschlachten noch nicht gab und Fleisch noch als hochwertiges Lebensmittel galt. Die Eltern des Metzgerlehrlings sind vermutlich froh, für ihren Sohn eine Lehrstelle gefunden zu haben.
Was ist denn mit dem Verbraucher? Ist er der Unschuldige und Verführte, der gar nicht anders kann? Was ist mit der braven (oder bequemen?) Hausfrau, die ihre Sprösslinge und den Gatten mit Fleisch verwöhnt (oder vielleicht ruhig stellt)? Was ist mit dem Mann, der von sich selbst glaubt, nur als richtiger Kerl zu gelten, wenn er ordentlich Fleisch und Wurst verdrückt?
Wer oder was verstrickt unsere Zeitgenossen, die Metzger, Landwirte und andere Berufsgruppen immer wieder in ihr Tun? Was sind die Motive für den allgemeinen Fleischkonsum: Unwissenheit, Gedankenlosigkeit, Zeitmangel, Gleichgültigkeit, Gewohnheit, gesellschaftliche Zwänge, wirtschaftliche Zwänge, religiöse oder weltanschauliche Auffassungen und Behauptungen, Vorbilder, verloren gegangenes Mitgefühl...? Wer verführt oder fesselt hier wen und warum?
Als ehemalige Fleischesserin kann ich mich recht gut an mein Verhalten und einige Hintergründe erinnern. Manchmal geht mir heute noch ein Lichtlein auf, mit welchen Ungereimtheiten ich meinen Fleischverzehr absegnete.
Ich freue mich jedenfalls sehr über den ehemaligen Kopfschlächter und alle anderen, die auf ihr Gewissen gehört und sich allen Widerständen zum Trotz aus diesem furchtbaren Teufelskreis befreit haben. Ich danke euch für das Interview und hoffe, dass ihr weiterhin über Aussteiger berichten könnt, die den Lesern durch ihr Handeln neue Wege und Perspektiven aufzeigen.
Selbst bemühe ich mich seit Beginn dieses Jahres um eine rein pflanzliche Ernährung und schon länger um ein besseres Verständnis für die Tiere. Denn durch die Veränderung meiner Essgewohnheiten wurde ich nicht automatisch zum »Pferdeflüsterer«, sondern erahne bzw. empfinde meine Fehlhaltungen besser. Und wenn ich manchmal das Gefühl habe zu gleichgültig zu werden, bitte ich im Stillen: »Christus, lass mir bloß keine Ruhe...!«
Uta Simon, Alerheim

Vegetarier werden
Ich esse seit nun circa 7 1/2 Jahren kein Fleisch, Fisch oder sonstige Tierprodukte mehr, hauptsächlich aus Liebe zu den Tieren! Zudem tue ich meiner Gesundheit etwas Gutes. Jedoch herrscht einfach viel Unwissenheit in der Welt - wenn Schlachthäuser aus Glas wären, würde fast niemand mehr Fleisch essen! Ich wurde durch PeTA Deutschland e.V. überzeugt, zum Vegetarier zu werden. Für mich spielt die Ethik eine große Rolle, niemand sollte verlangen dürfen, dass ein anderes Lebewesen für ihn getötet wird! Ich besitze selber sechs Tiere - wie könnte ich mit reinem Gewissen diese Haustiere knuddeln und mittags ein Tier auf dem Tisch haben. Auch meine Mutter wurde durch mich Vegetarier - und bei den vielen leckeren Ersatzprodukten fällt Vegetariersein gar nicht schwer!! Ich verstehe nicht, wie man einem Tier in die Augen sehen kann und sich Tierschützer oder Tierfreund nennen kann, wenn man heutzutage noch Fleisch ist!!
Sabine Brackmann per e-mail

Keine Leichen essen
Ich esse nun seit 1,5 Jahren keine Leichen mehr. Ich spürte damals bei jedem Bissen: »Dies ist ein Stück Muskel oder eine Sehne« - Leichen eben. Seither fühle ich mich viel besser. Neulich erzählte ich einer Oma, die ich aus meiner Kindheit kannte und auch seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen hatte, dass ich kein Fleisch mehr äße, und sie erzählte mir, dass ich schon als 2-jähriger Bub ihren damals noch lebenden Mann als Hasenmörder beschimpfte, nachdem er einem vorher noch hübschen und niedlichen Hasen - der zwar schon tot war, was ich aber in meiner kindlichen Einfältigkeit nicht erkannte und ihn streichelte - das Fell abgezogen und ihn zerlegt hatte.
Steffen Hofterheide, Ittlingen

Schlachthäuser
John Lennon hat einmal gesagt: »Wenn Schlachthäuser gläserne Wände hätten, würde jeder zum Vegetarier.« Ich kann jedoch nicht und werde nie verstehen, dass es Menschen gibt, welche sich »berufen« fühlen, dort ein ganzes Arbeitsleben zu verbringen. Ingo Wisch, Troisdorf

Für eine friedvollere Welt
Vielen Dank für die vielen wertvollen Wegweiser in Ihrer Zeitschrift. Ich wurde und werde immer wieder dadurch bestärkt, die richtige Richtung zu gehen, für eine friedvollere Welt, vielleicht für ein Paradies für alle Gottesgeschöpfe.
Kathrin Pilath, Büchenbeuren

Gesunde Ernährung
Seit zwei Jahren beschäftige ich mich intensiv mit gesunder Ernährung. Zuvor habe ich das gegessen, was mir von Kindesbeinen an vorgesetzt wurde, natürlich auch Fleisch. So wird es einem ja gelehrtt »Fleisch muss sein«.
Durch die Krankheit meines Mannes (Augeninfarkt, Diabetes) bin ich auf die Literatur von Dr. Bruker gekommen. Im Internet habe ich die Seiten von Dr. Schnitzer gefunden. Da begann ich immer mehr, meine bisherige Ernährungsweise anzuzweifeln. Im Fernsehen wurde im letzten Jahr mal ein Bericht über einen Schlachthof gesendet. Da kann einem das Fleischessen dann endgültig vergehen. Solange man nur immer zum Metzger kommt bzw. immer mehr in den großen Lebensmittelmärkten verpacktes Fleisch vorgesetzt bekommt, denkt man gar nicht darüber nach, was für ein Leid hinter dem Fleisch steckt. Irgendwann habe ich dann den »Lebe Gesund«-Laden in unserer Stadt entdeckt und bin auch auf Ihre Internetseiten und Broschüren gekommen. Ich habe es bis jetzt zu 99 % geschafft, kein Fleisch mehr zu essen. Das letzte Prozent schaffe ich auch noch.
Rita Hengerer (per e-mail)

Hallo Tierfreunde!
Ich finde es ganz toll, dass Sie sich für Tiere einsetzen. Ich lebe in der Nähe vom Wald und höre fast jeden Tag Schüsse. Und ich sehe, wie Tauben vom Himmel fallen. Es ist schrecklich. Wir (meine Familie) haben schon viele Tiere aufgepäppelt, die angeschossen waren. Es ist auch schon passiert, dass Tiere in meinen Armen gestorben sind. Das war so traurig. Dies ist nur die Schuld der Jäger.
Mayra Flick (10 Jahre)

Religionen: Grundwerte
Ihre Einbeziehung der ethischen Grundwerte aus den Weltreligionen für die völkerverbindende Darstellung in dem ausgezeichneten Magazin »Freiheit für Tiere«" ist für mich eine besondere Handreichung. Im Januar kommt die Wanderausstellung »Weltreligionen - Weltfrieden - Weltethos« auch nach Chemnitz und wird stundenweise von mir mit betreut. Der Minimal-Konsens bezieht sich auf die Goldene Regel: »Was du nichts willst, das man dir tu, das füg´auch keinem andern zu«, um allen Menschen guten Willens eine annehmbare Grundlage der Übereinstimmung anbieten zu können. Im Zusammenhang damit möchte ich 3 Ex. der Neuerscheinung »Die Priester - die Tier-Mörder« bestellen.
Helmut Seifert, Chemnitz

Qualverminderung
Ganz hervorragend wieder das jetzt erhaltene »Freiheit für Tiere«-Heft! Man findet immer wieder neue Anregungen und Infos darin. Zu eurer Frage (Artikel aus Heft 1/2004 über schonende Ferkelkastration beim Biobauern) »Dürfen Vegetarier bei der Zucht von sogenannten Schlachttieren mitmachen?« von meiner Seite ein eindeutiges Ja - so denn dieses Mitwirken zumindest eine Qualverminderung bewirkt, wenn eine so sehr von uns gewünschte Qualvermeidung schon nicht möglich ist. Manche liebenswerten Theoretiker wollen am Ziel sein, ohne je die Startlinie gesehen zu haben. Es ist besser, zumindest Ketten von (Tier-)Sklaven zu lockern, wenn wir sie schon nicht ganz davon befreien können. Keinesfalls reicht es, lediglich edle Gesinnungsethik wie eine Fahne vor sich herzutragen; wir müssen uns mit praktizierter Handlungsethik den Niederungen des Alltagsgeschehens stellen - ohne natürlich je das Ziel, die Tiere von allen Fesseln zu befreien, aus den Augen zu verlieren.
U. Dittman, Kirchheimbolanden

§ 5, Abs. 3, Pt. 1 des Tierschutzgesetzes sagt: »Eine betäubung ist ebenfalls nicht erforderlich für das Kastriren von unter zwei Monate alten männlichen Rindern, Schweinen, Ziegen, Schafen und Kaninchen...« - Ob Politiker meinen, Tierkinder hätten kein Schmerzempfinden?

Bewusstseinsspaltung?
Am Ende des Artikels »Ferkelkastration ohne Betäubung« werden die LeserInnen gefragt, wie sie es finden, dass überzeugte Vegetarier bei der Zucht von »Schlachttieren« - wie auch immer - mitmachen. Der Feststellung, wie wir das finden, sei Folgendes voraus geschickt:
Das Gute zu wollen und das Gegenteil davon zu tun, weil es vermeintlich das kleinere Übel darstellt, ist per se kein Ausweis moralischer Inseriosität. Grundsätzlich sieht sich jeder ethisch denkende und fühlende Mensch in bezug auf Tiere jeden Tag in zum Teil schwer wiegende Dilemmata verstrickt. Dazu gehört es nicht, »Bio« oder »ökologische« Tierhaltung der konventionellen gegenüber für das kleinere Übel zu halten, obwohl jene demselben Zweck dient und dasselbe Ergebnis hat: die Ermordung der Opfer. (...) Dass VegetarierInnen wider besseres Wissen freiwillig den Fleischunger anderer bedienen, finden wir, psychologisch gesehen, einen obzwar nicht klinischen, so doch drastischen Fall von Bewusstseinsspaltung, schlicht schizophren; moralisch gesehen finden wir es zutiefst deprimierend und unverständlich, tierrechtspolitisch gesehen verheerend. Wer soll denn den Vegetarismus ernst nehmen, wenn es nicht einmal die VegetarierInnen selber tun? Um es unmissverständlich zu sagen: Gegenüber dem Biofleischfresser, von dem er lebt, ist der vegetarische Biobauer - nicht die dessen Tiere möglichst schonend behandelnde Ärztin (!) - das größere Übel. (...) Inzwischen ist auch die Erstausgabe von »Vegetarisch genießen« eingegangen: atemberaubend gut, einfach traumhaft - wie erwartet, möchte man sagen. Ein weiteres Meisterwerk aus Ihrem Haus in Form und Inhalt, von gleichsam magischer Anziehungskraft, das zumindest in die Hand zu nehmen und durchzublättern kaum jemand widerstehen können sollte...
Karin Hilpisch,
AG Vegan in Erkrath



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