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Wo sich Seehunde und Kegelrobben aalen
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D I E B A D E D Ü N E V O N H E L G O L A N D
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Von Kornelia Stinn
Ob auf Amrum, Sylt oder Nordstrand - keine Insel und wohl kaum ein Nordseehafen, vom dem aus keine Ausflugsfahrten zu Seehundsbänken angeboten würden. Dabei muss man dann manchmal Glück haben, wenn man die Meeressäuger sehen will.
Sie tummeln sich eben doch nicht immer gerade dort, wo man es gern hätte. Und die Sicht ist auch nicht immer so klar, dass man sie von weitem wirklich gut erkennt. Obwohl die Schiffe sich nur bis auf einen bestimmten Abstand hin an die Sandbänke heranpirschen dürfen, mag ihr Motorengeräusch nicht eben eine Freude für die Ruhe suchenden Tiere sein. Anders auf der Badedüne von Helgoland. Da strecken die großäugigen Seehunde und spitzschnäuzigen Kegelrobben Seite an Seite ihre glänzenden grauen Bäuche in die Sonne.
Seehund zwischen den Füßen
Mehr als hundert liegen dicht gedrängt am Sandstrand im Norden, zu Füßen der Badenden. Und dann kommt es auch manchmal vor, dass so ein Seehund zwischen den Beinen eines badenden Menschen hindurch taucht oder um ihn herum schwimmt! »Welch trautes Miteinander!«, ist der oberflächliche Besucher geneigt zu denken und will sich voller Freude ins Getümmel hinein stürzen. Doch beileibe sind dies keine zahmen Zootiere, die Männchen machen wie dressierte Delphine. Zudem ist eine solche scheinbar spielerische Annäherung dieser Tiere an den Menschen eher die Ausnahme.
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Und doch sind es Wildtiere
»Bei Tieren, die in der Aufzuchtstation Friedrichskoog aufgepäppelt wurden, kann dies schon mal vorkommen«, sagt Rolf Blädl, der auf Helgoland als Seehundsjäger tätig ist. »Dennoch, es bleiben wilde Tiere mit einem entsprechenden Gebiss. Da sollte man unbedingt einen Abstand von 30 bis 35 Metern einhalten.« Kaum zu glauben, wenn man sieht, wie friedlich sie da in der Sonne dösen und gelegentlich mal einen Blick zu den Menschen riskieren. Doch tatsächlich! Es muss so etwas wie eine unsichtbare magische Grenze geben. Wird sie überschritten, dann kommt Unruhe in die Tiere. Geschwind haben die außen Liegenden den Weg ins Wasser gefunden oder setzen sich weiter nach Innen ab.
Die Jagd ist hier verboten
Und was soll dabei ein Seehundsjäger? Rolf Blädl ist zuständig für das Wohlergehen der robbenden Badegäste. Auch wenn die offizielle Bezeichnung seiner Tätigkeit anderes verheißt. Jagen darf man diese Tiere zum Glück nämlich seit 1977 bei uns nicht mehr. Noch vor dem Krieg haben die Helgoländer Seehundfleisch gegessen. Die Leber soll laut Blädl eine Delikatesse gewesen sein. Der Tran wurde ausgekocht, aus dem Fell wurden Sachen angefertigt. »Das ist heute nicht mehr der Fall. Wer heute einen Seehund schießen will, der tut das nur, um sich `ne Trophäe an die Wand zu nageln - und das ist nicht einzusehen«, so Blädl.
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Der Seehund ist ganzjährig geschont
Rolf Blädel erklärt: »Es ist nicht unsere Aufgabe zu jagen. Der Seehund ist bei uns ganzjährig geschont, unterliegt aber noch dem Jagdrecht. Deshalb muss ein Jagdscheininhaber die Hege übernehmen. Wenn wir mutterlose Heuler - junge Seehunde - finden, schicken wir sie in die Aufzuchtstation nach Friedrichskoog, verendete Tiere schicken wir zur Uni Kiel. Dort werden sie untersucht und es wird festgestellt, woran die verendet sind. Bei schwerkranken Tieren sind wir auch mal gezwungen zu schießen.« Als in der Nordsee die Seehundstaupe umging, fuhr Blädl meist zwei Mal täglich zur Badeinsel rüber, um bei den Seehunden nach dem Rechten zu sehen. Bereits seit 1979 versieht er diese Aufgabe und kennt sich mit den Tieren bestens aus. Er und noch ein weiterer Kollege stehen in enger Verbindung mit den Biologen und Biologinnen der Aufzuchtstation Friedrichskoog und den Mitarbeitern der Uni Kiel. So kann er auch einige Fragen in Bezug auf Helgoland und die Meeressäuger beantworten.
Warum gehen die Tiere an Land und warum gerade auf Helgoland? Gibt es keine Sandbänke im Meer? Herr Blädl erklärt: »Die Tiere brauchen für den Stoffwechsel ihre Ruhephase, darum gehen sie an Land, auf Sandbänke, die bei Ebbe trockenfallen. Heuler werden im Mai/Juni ausschließlich in den Watten zur Welt gebracht, weil die jungen Seehunde sich von Krabben ernähren. Und die finden sie hier nicht in der Menge, wie sie sie brauchen. Daher haben wir keine jungen Seehunde auf Helgoland.
Kegelrobbengeburten finden vereinzelt auf der Düne statt. Das fing vor zwei Jahren an. Da waren es zwei Geburten, letztes Jahr waren es acht. Die Kleinen liegen dann am Strand und werden gesäugt. Kegelrobben bleiben so lange an Land liegen, bis sie ihr Embryonalfett verloren haben. Pro Woche verlieren sie davon ein Drittel. Wenn das nach drei Wochen abgestreift ist, sind sie abgesäugt.«
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Tiere ohne Scheu vor dem Menschen
Es ist eine Generation von Seehunden herangewachsen, die den Menschen nicht mehr als jemand ansieht, der ihn stören und bejagen will. Sie bringen einen Gewehrknall nicht mehr mit Tod und Flucht in Verbindung.
»Die Kegelrobben halten sich noch nicht lange auf der Düne auf«, erläutert Rolf Blädel. »Die alten Fischer haben erzählt, wenn früher an der Landungsbrücke ein Motor gestartet wurde, dann flüchteten die Seehunde von der Düne auf die Seehundsklippen nördlich der Düne. Die liegen bei Ebbe auch frei. Dort haben sie früher immer gelegen. Das Fluchtverhalten hat sich allmählich verändert. Wenn man davon ausgeht, dass Robben 35 bis 40 Jahre alt werden, so kann man allmählich von einem Generationenwechsel sprechen. Während der beiden Staupe-Epedemien, die ich mitgemacht habe, sind überwiegend alte Tiere verendet. Die Jungen kennen die Jagdbedrohung nicht mehr.«
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So nah wie auf Helgoland kann man sie nirgends beobachten
Das Bewusstsein der Menschen, den Seehund und die Kegelrobbe zu schützen, ist auf Helgoland ausgeprägt. Unter den langjährigen Feriengästen genau so wie unter den Einheimischen. Die weisen dann auch schon mal andere darauf hin, dass sie den nötigen Abstand zu den Tieren einhalten sollten. Erstaunlich und erfreulich zugleich aber, dass das Vorkommen der Kolonie in so enger Nähe zum Menschen nicht touristisch ausgeschlachtet wird - wenn man bedenkt, dass es sich dabei um die einzige Kolonie in der Nordsee handelt, die sich dem menschlichen Auge so nah zur Beobachtung anbietet! Einem Zivildienstleistenden des Vereins Jordsand gelang es sogar, die Geburt einer Kegelrobbe zu fotografieren. Dabei wollte er eigentlich nur eine Aufnahme machen, als ein bereits geborenes Junges gesäugt wurde.
Weitere Infos:
Geschäftsstelle und Informationszentrum Verein Jordsand Haus der Natur Bornkampsweg 35 22926 Ahrensburg Tel.: 04102/32656
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