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Wer hat Charly so verstümmelt?

V E R W A I S T E   F U C H S W E L P E N   A U F G E Z O G E N 

Von Micheline Frauenberg

Darf ich mich vorstellen: Ich bin Fritzi, eine zahme Füchsin. Ich bin 7 Jahre alt und wohne in Luxemburg.
In der letzten Ausgabe von »Freiheit für Tiere« (1/2004) habe ich euch von mir und meinem Frauchen Micheline berichtet.
Diesmal erzähle ich euch die traurige Geschichte von meinem Freund Charly.

Als ich ein Jahr alt war, bekam Micheline wieder einen verwaisten Fuchswelpen gebracht. Es war ein sehr schöner Rüde, und meine Pflegemutter hatte gleich die Idee, ihn mir anzuvertrauen, damit ich ihn aufziehen konnte. Das
klappte auch ganz gut. Aber wir merkten schnell, dass Charly - so hatten ihn die Finder getauft - nicht als »Hausfuchs« leben wollte und daher auf ein Leben in der freien Wildbahn vorbereitet werden musste. Und ich muss zugeben: ich war froh, als es endlich soweit war, denn Charly kostete mich meinen letzten Nerv.


 

Fritzi, Fritzi, die zahme Füchsin, wurde als Welpe von Micheline gefunden und aufgezogen. Ihre Mutter war Opfer eines Jägers geworden.



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Charly wird in die freie Natur entlassen

So fing ich an, für Charly einen Fuchsbau zu graben. Der Lümmel hat nicht mal mitgeholfen, sich eine Unterkunft zu bauen.
Dann entließen wir ihn in die Natur. Obwohl wir wussten, welchen Gefahren er ausgesetzt sein würde, gab es keine Alternative, denn Charly wollte es so.

Am Anfang ging alles gut. Wir besuchten ihn jeden Morgen, gaben ihm eine Kleinigkeit zu essen, aber nur so viel, dass er trotzdem auf die Jagd gehen musste. Er sollte ja irgendwann selbstständig werden und allein überleben.
Aber so weit sollte es nicht mehr kommen. An einem Donnerstagmorgen kam Charly nicht mehr. Gleich nahm ich Witterung auf. Ich ahnte Schlimmes, dieser unverkennbare Geruch lag in der Luft! Ich dirigierte Micheline quer über Felder und Wiesen, bis zu einem unbefestigten Weg, wo noch deutlich Reifenspuren zu erkennen waren - und hier verlor sich Charlys Spur.


 

Die junge Füchsin Fritzi kümmert sich liebevoll um Charly, das verwaiste Fuchsbaby. Doch bald zeigt sich, dass Charly nicht als »Hausfuchs« leben möchte.



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»Du kannst deinen Krüppel abholen!«
Drei Wochen vergingen. Micheline hatte schon überall herumerzählt, dass die Jäger unseren Charly umgebracht hätten. Am Mittwoch Abend läutete das Telefon und eine anonyme Stimme sagte zu Micheline: »Hör auf herumzuerzählen, dein Charly wäre erschossen worden, du kannst deinen Krüppel abholen.«
Micheline wurde kreidebleich vor Schreck. Sie besann sich schnell und entschied, nicht in der Nacht, sondern bei Sonnenaufgang in aller Früh mit mir den besagten Ort aufzusuchen. Und tatsächlich kam Charly aus dem Gebüsch. »Aber warum torkelt er so? Da stimmt etwas nicht!«, rief Micheline. Als Charly bei uns war, fing Micheline vor Schreck an zu schreien.
Was war passiert?
Charly hatte keinen Schwanz mehr, nicht mal einen Ansatz!
Durch Michelines Geschrei war Charly wieder weggelaufen und wir fanden ihn nicht mehr.
Mich hat das so aufgeregt und mitgenommen, dass Micheline alle Hände voll zu tun hatte, mich zu beruhigen. Nachdem mein Frauchen mich zu Hause abgesetzt hatte, holte sie Charly und brachte ihn zum Tierarzt.


 

Charly soll in die Freiheit entlassen werden. Fritzi gräbt für ihn einen Fuchsbau.



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Niederschmetternde Diagnose

Die Diagnose war niederschmetternd: Es fehlte nicht nur der Schwanz, sondern die Wirbelsäule war so stark verletzt, dass Charly eingeschläfert werden musste. Der Tierarzt konnte mit Sicherheit sagen, dass der Schwanz bei lebendigem Leibe abgebrochen bzw. abgerissen worden war - und dass Charly aufgrund des Mageninhalts und der Faserspuren unter den Krallen garantiert irgendwo in Gefangenschaft gehalten wurde.

Aufgrund der Indizien ist klar, dass nur ein Jäger oder jemand der in diesem Jagdrevier regelmäßig verkehrt, überhaupt wissen konnte, wo Charly war. Er hätte sich niemals von einem Fremden anfassen lassen, also musste er in einer Käfigfalle mit Fleischköder gefangen worden sein.
Leider können wir bis heute nicht beweisen, wer Charly das angetan hat, aber wir geben nicht auf, bis wir den oder die Schuldigen gefunden haben.


 

Charly muss erst lernen, selbstständig in der Natur zu überleben.



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Ein Fuchs in der Schule

Damit meine Mutter, Charly und Hunderttausende meiner Artgenossen nicht umsonst ihr Leben gelassen haben, gehen Micheline und ich in Schulen in Luxemburg, aber auch ins Saarland oder nach Rheinland/Pfalz. Micheline möchte den Kindern zeigen, wie schön ein Fuchs ist. Und aus diesem Grund bin ich bei jedem Vortrag dabei. Sogar das Fernsehen und verschiedene Zeitungen haben schon über uns berichtet.

Besucht uns doch einmal im Internet:
www.fritzi.lu


 

Doch dann passiert das Schreckliche. Ein Jäger ruft an: »Du kannst deinen Krüppel abholen!« Charly hat keinen Schwanz mehr. Er wurde ihm bei lebendigem Leibe ausgerissen. Da auch die Wirbelsäule stark verletzt ist, muss Charly eingeschläfert werden.



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