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Barbarei im 21. Jahrhundert
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Q U A L V O L L E E X P E R I M E N T E A N T I E R E N
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Von Peter Jennrich, Facharzt für Allgemeinmedizin
Denken wir uns einige Jahrhunderte zurück - in die Zeit des römischen Imperiums oder der amerikanischen Sklaverei: Würden wir die Freilassung der Sklaven und die Achtung ihrer Menschenrechte fordern, so bekämen wir sicherlich einige »vernünftige« Gegenargumente zu hören.
Diejenigen, die damals ihren Wohlstand, ihren Reichtum und ihr Ansehen durch die Sklavenhaltung erlangt hatten, kämpften darum, dass die Sklavenhaltung auf keinen Fall abgeschafft werden durfte. Sie argumentierten, dass das ganze Gesellschaftssystem mit all seinem Wohlstand auf der Sklavenhaltung aufgebaut war - und dass es deswegen völlig undenkbar sei, auf die Ausbeutung von Menschen zu verzichten. Dies mag aus damaliger Sicht auch ein stichhaltiges Argument gewesen sein - aus heutiger Sicht jedoch war das ganze System der Sklavenhaltung Ausdruck von Barbarei und Menschenverachtung. Wie werden wohl spätere Generationen über den Irrweg und Irrsinn der Tierversuche denken? Tierversuche sind Ausdruck der Ohnmacht eines pseudowissenschaftlichen Medizinsystems, das sich weitgehend verselbstständigt hat. Es ernährt diejenigen, die darin arbeiten, und verhilft so manchem zu Wohlstand, Reichtum und Ansehen, zu Doktor- und Professorentiteln. Unter dem Strich betrachtet kommt dabei für die Volksgesundheit leider nur sehr wenig oder gar nichts heraus.
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Das zeigt sich daran, dass trotz intensivster jahrzehntelanger Tierversuchs-»Forschung« die Zivilisationskrankheiten weiter zunehmen. So stieg die Todesrate der Herz-Kreislauf-Erkrankungen von 1975-1985 um 41% an und ist seitdem die häufigste Todesursache in Deutschland. Und dies, obwohl jährlich weit über 27 Milliarden Euro (das sind täglich über 60 Millionen Euro!) allein in Deutschland für die Erkennung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgegeben werden! Dies ist ein Beleg dafür, dass Tierversuche in der Herz-Kreislauf-Forschung keine wirksamen Ergebnisse liefern konnten, die die Sterblichkeit an Herzinfarkt, Schlaganfall und ähnlichen Krankheiten senken konnten.
Durch das den Tieren zugefügte Leid wird gegen ihr Recht auf Leben und Unversehrtheit verstoßen.
Darüberhinaus werden Geld, Forschungseinrichtungen, Arbeitskräfte - man kann sagen: ganze Teile des Gesundheitssystems - für nutzlose Forschung vergeudet. Das gleiche gilt für die Krebserkrankungen, die von 1950 bis 1995 um rund 25% angestiegen sind - trotz intensivster Tierversuchsforschung! Auch das Fortschreiten der Allergien und der Zuckerkrankheit sowie weiterer Zivilisationskrankheiten konnte durch Tierversuche nicht aufgehalten werden. Tierversuche sind ethisch-moralisch und medizinisch-wissenschaftlich unverantwortbar. Tierversuche sind unwissenschaftlich
Ein Mediziner und Wissenschaftler, dem das Wohl der Patienten und der medizinische Fortschritt am Herzen liegen, hat nur die Wahl zwischen »Tierversuch oder Wissenschaft«. So lautet auch der Titel eines Buches von Prof. Pietro Croce, einem Wissenschaftler, der selbst jahrzehntelang Tierversuche durchführte, bevor er zu der Einsicht gelangte, dass Tierversuche dem medizinischen Fortschritt nur Schaden und keinen Nutzen bringen. Warum dies so ist und so sein muss, wird verständlich, wenn man die theoretischen Überlegungen und Behauptungen, die dem »Tierversuchsmodell« zugrunde liegen, etwas näher beleuchtet. 1865 erschien in Frankreich das grundlegende Buch von Claude Bernard, in dem Tierexperimente als Weg zur Klärung medizinischer Fragestellungen gefordert und damit salonfähig gemacht wurden. Bernard vertrat die Ansicht, dass die grundlegenden Lebensvorgänge nach exakten mathematisch berechenbaren Regeln in allen Lebewesen gleich ablaufen würden und dass alles, was vom Tier abgeleitet ist, auch für den Menschen Gültigkeit habe. Er bestritt vehement, dass es eine Lebenskraft gebe, die »so viele Nuancen haben kann, wie es Individuen gibt«, denn dies würde seiner Meinung nach »die Verneinung der Wissenschaft und eine Absage an jegliche Forschung« bedeuten.
Lebensfeindliches mechanisches Menschen- und Weltbild
Auf dem Boden dieses lebensfeindlichen mechanischen Menschen- und Weltbildes, in dem das Leben des Einzelnen nichts gilt, glaubte er durch die Erkenntnisse der Lebensvorgänge am Tier das Leben des Menschen bis ins kleinste Detail entschlüsseln zu können. Er gelangte dadurch zwar zu (unverdientem) Ruhm und Ehren. Medizinische Entdeckungen, die der Menschheit weitergeholfen hätten, blieben ihm jedoch versagt. Das war vor knapp 140 Jahren. Seit dieser Zeit wuchs die Zahl derer, die von dem »Tierversuchssystem« profitieren - doch die durchbrechenden Erfolge blieben weiterhin aus. Umso schwerwiegender ist die Tastsache, dass man immer noch nicht bereit ist, aus dem Versagen der Tierversuchs-Vergangenheit zu lernen - obwohl die Beweislage erdrückend ist.
In Deutschland werden in Mannheim, Würzburg, Erlangen und weiteren Städten für zig-Millionen Euro neue Tierversuchslaboratorien gebaut.
Das bedeutet: Man will mit diesen `Zukunftsinvestitionen´ auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten am Tierversuch festhalten. Das ist inakzeptabel und verstößt nach Ansicht von Tierschützern gegen geltendes europäisches Recht. Obwohl eindeutige EU-Richtlinien bestehen, welche die Förderung der tierversuchsfreien Forschung fordern, werden in Deutschland im ganzen Jahr weniger als vier Millionen Euro für die tierversuchsfreie Forschung ausgegeben. Demgegenüber steht ein Vielfaches, was für den Ausbau der Tierversuchsforschung ausgegeben wird. Allein der Neubau des Würzburger Zentrums für experimentelle molekulare Medizin (ZEMM) kostet ca. 31 Millionen Euro, hinzu kommen jedes Jahr mehrere Millionen Euro für die laufenden Kosten des ZEMM, sobald es fertig gestellt ist. In den Augen vieler Tierschützer ist dies eine ungeheuere Fehlinvestition in ein aussichtsloses Vorhaben.
So behauptet das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Tierversuche im ZEMM seien notwendig in der Erforschung und Verhütung von Krebserkrankungen. Dabei werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die auf internationaler Ebene gemacht wurden, offensichtlich völlig ignoriert. So stellte Dr. Klausner vom Nationalen Krebsforschungsinstitut der USA (NCI) bereits vor mehreren Jahren fest:
»Die Geschichte der Krebsforschung ist die Geschichte, wie man Krebs bei Mäusen heilt. Seit Jahrzehnten heilen wir Krebs bei Mäusen, aber beim Menschen klappt es einfach nicht.«
Sein Kollege, der ehemalige Leiter des NCI, Dr. Bross, erläutert dies noch etwas genauer: »Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen muss festgestellt werden, dass das, was man das Tierversuchsmodell in der Krebsforschung nennt, sich als totale Pleite herausgestellt hat. Als das NCI sich mit großer Begeisterung für einen Massengebrauch von Tieren in der Krebsbekämpfung entschloss, gab es bereits genügend wissenschaftliche Kenntnisse, um zu sagen, dass dieses Massenprogramm ein Misserfolg sein würde. Es gab praktisch keine Fakten, die angedeutet hätten, dass es erfolgreich sein könnte. Die endlosen Millionen von Tieren, die auf der Suche nach neuen Krebsbekämpfungsmitteln getötet wurden, sind also umsonst geopfert worden.« Die Kollegen vom englischen Krebsforschungsinstitut National Cancer Research führen aus diesem Grund inzwischen keine Tierversuche mehr durch.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht in ihrem aktuellen Welt-Krebs-Bericht davon aus, dass die Krebserkrankungen bis zum Jahr 2020 weltweit um 50 Prozent zunehmen werden. Gleichzeitig geht der Bericht davon aus, dass durch einen gesunden Lebensstil - wozu auch eine vegetarische Ernährung zählt - und gesundheitspolitische Maßnahmen ein Drittel der Krebsfälle vermeidbar wäre. Er geht nicht davon aus, dass durch Tierversuche irgendwelche Fortschritte errungen werden könnten.
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Bild: peta.de
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Bild: tierversuchsgegner.de
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